Das
Theaterkarussell anzudrehen
bedeutet
zum
Gestalten animieren und
den
Geschichten Raum geben
Konzept
Seit
Sommer 2000 wird unsere Turnhalle jedes Jahr in einen behindertengerechten
Theaterraum verwandelt, damit die Ergebnisse unterschiedlichster
Gestaltungsprojekte präsentiert werden können. Entstanden ist im Laufe der
Jahre ein 3-tägiges Schülertheaterfestival.
Den
verschiedenen Gestaltungsprojekten der Schule fehlte bis dahin eine Möglichkeit
der Präsentation an der Schule. Spannende Vorführungen fanden
wenig Beachtung.
Theaterstücke,
Tanzvorführungen und Musikdarbietungen leben davon, dass am Ende der mühevollen
Entwicklungsarbeit eine Darbietung vor einem interessierten Publikum
stattfindet. Da aber Gestaltungsprojekte an sich schon sehr
material- und zeitaufwändig sind, ist eine zusätzliche Belastung, durch
die Organisation der Aufführung, für die Spielleiter nicht zu meistern.
Das Theaterkarussell übernimmt diese Aufgabe. Wer will kann sich deshalb
mit seiner Gruppe beim Theaterkarussell anmelden.
Wir
wollen allen Gruppen unserer Schule und auch anderen Regel- und Sonderschulen
aus Stuttgart und Umgebung die Möglichkeit der Teilnahme geben, sofern die
Veranstaltungskapazitäten reichen. Das
Theaterkarussell bietet also zweierlei: Anlass zum musisch-kreativen Gestalten
und die Möglichkeit, sich mit dem Ergebnis dieser Arbeit, dem Publikum zu präsentieren.
Mit
den unterschiedlichsten Anforderungen, die sich für Schüler bei
Gestaltungsprojekten ergeben, erhoffen wir uns eine nachhaltige Förderung der
Schülerpersönlichkeiten.
Eingeladen
sind nicht nur die großen und aufwändigen Theater-, Musik- oder Tanzprojekte,
sondern vor allem auch die kleinen,
aber trotzdem spannenden Projekte. Aufführungen dauern bei uns in der Regel
zwischen 5 und 15 Minuten. Zusammengehalten wird jede Veranstaltung durch ein
Rahmenprogramm.
Für
die Zuschauer ist es reizvoll, gut inszenierte Stücke und die Vielfalt
kulturellen Schaffens an Schulen ansehen zu können.
Unsere
Wertschätzung gegenüber den Schülern und Lehrern, drückt sich dadurch aus,
dass wir ihre Arbeit so professionell wie möglich ankündigen, dafür werben
und ins rechte Licht rücken. Eine erhaltene Urkunde erinnert die Schüler dann
später an den aufregenden Auftritt beim Theaterkarussell.
Spielarten
des Theaterkarussells
(nach oben)
Kulturarbeit,
in unserem Fall Musik, Tanz und Theater von Schülern mit und ohne Behinderung,
verlangt eine Anpassung der Spielvorlage an die
Schülervoraussetzungen und das Eingehen auf deren Fähigkeiten. Es gibt
Darstellungsformen, die den Schülern entgegenkommen, wie z.B. das
Schattenspiel, Schwarzlichttheater und einfache Erzähltheater.
Längere Theaterstücke, die aufgeführt wurden, waren
Eigenentwicklungen, mit keiner vorgegebenen Textvorlage. Auch Zirkuspräsentationen
und Tanzvorführungen funktionieren häufig so, dass mit der Bewegungskunst eine
Geschichte erzählt wird. Bei der
Darbietung von Musik haben sich Rapstücke,
Perkussionsmusik und einfache Poplieder
als Formen erwiesen, die von Schülern mit Erfolg aufgeführt werden
konnten.
Natürlich
fallen Darbietungen aufgrund der sehr unterschiedlichen Schüler und
Arbeitsweisen der Spielleiter auch sehr unterschiedlich aus. Das Publikum war
aber bislang sehr wohl in der Lage, die Mühe, die auch in den einfachsten
Darbietungsformen steckt, zu erkennen und zu honorieren.
Das
Theaterkarussell bietet uns die interessante Möglichkeit, von
anderen Gruppen lernen zu können. Wir würden auch gern einen Austausch
für die Spielleiter anregen, um die „handwerkliche
Vorraussetzungen“ guter Präsentationen austauschen zu können.
Günstig
für gelungene Aufführungen waren
aufgrund unserer Erfahrungen z.B. das Vorhandensein einer guten Spielidee oder
Vorlage, die den Möglichkeiten der Schüler entgegenkommt, das Finden einer
passenden Darstellungsform und möglichst gute Inszenierungsideen, gepaart mit
einem spannenden Handlungsverlauf.
Hinzu
kommt
der Einsatz von Musik und Licht. In einer Probe vor der Aufführung,
versuchen wir zusammen mit den Spielleitern, deren Einsatz zu optimieren.
Insgesamt
gilt es für die Spielleiter eine den Schülermöglichkeiten angemessene Balance
zu finden zwischen dem Anspruch eine möglichst perfekte Aufführung
hinzubekommen, andererseits die Spielmöglichkeiten und Grenzen der Schüler zu respektieren.
Organisation
des Theaterkarussells
(nach oben)
Eingeladen
werden jedes Jahr ungefähr 20 Sonderschulen und Regelschulen aus Stuttgart und
Umgebung. Es treten ungefähr 80 Schüler vor 600 Zuschauern auf.
Für
die 3 Aufführungstage wird die Turnhalle samt Bühne in einen Theaterraum
umgebaut. Die Wände werden mit schwarzem Stoff abgehängt, an die Decke kommen
blaue Stoffbahnen, die ein Zelt stilisieren.
Für die Tonsteuerung steht uns eine mobile Verstärkeranlage mit 12-
Kanalmischpult, diverse Mikros und Head-Sets zur Verfügung.
Wir besitzen eine digitalisierte Lichtsteueranlage mit programmierbarem
24 Kanal Mischpult. Der Kontakt von
Bühne zu den Mischpulten im Zuschauerraum wird über eine Intercom-Anlage
hergestellt.
Gespielt
wird auf einer kleinen und einer großen Bühne.
Ungefähr
die Hälfte des Kollegiums ist im Einsatz, zusätzlich helfen Eltern und unsere
außerschulischen Partner.

Seit
dem Theaterkarussell 2006 werden wir durch Ausbilder und Auszubildende des
Palladium Theaters in Stuttgart-Möhringen unterstützt. Als Teil ihrer
Ausbildung kümmern sich die Auszubildenden um Fragen der Sicherheit und um die
Licht- und Tonanlagen. Dass wir dadurch professionelle Unterstützung erhalten,
wissen wir außerordentlich zu schätzen.
Die
Organisationsarbeit insgesamt wird
auf 13 Arbeitsgruppen verteilt.
Finanziert
wird das Projekt aus dem Verkauf der Eintrittskarten (Kinder
€
2,- Erwachsene € 4,-) und aus den Zuschüssen und Spenden, die wir von
der Stiftung kulturelle Jungendarbeit BW bzw. von privaten
Sponsoren erhalten. Die Finanzierungssumme 2005 war
€ 6000,-.
Resümee
und kritischer Ausblick
(nach oben)
Die
Erfolge langfristiger Kulturarbeit an Schulen sind zweifelsohne groß, Schüler
sind stolz auf ihre Leistungen, das Theaterkarussell schenkt Darstellern, wie
Zuschauern beglückende Momente. Die meisten Gruppen, die einmal mitgemacht
haben, kommen gerne wieder.
Das
Theaterkarussell kann aber nur gelingen, wenn die aktiven Kollegen und Helfer
weiterhin bereit sind, hohe
Arbeitsbelastungen in Kauf zu nehmen. Außerdem müssen Konfliktfelder entschärft
werden, die durch die zeitliche Überschneidung
des Theaterkarussells mit den
laufenden Unterrichtsvorhaben entstehen.
Umstritten
ist auch die Größe der Veranstaltung. Unsere derzeitige Vorgabe, Schulen aus
Stuttgart und vor allem auch Regelschulen einzuladen, macht das Projekt trotz
Zusammenarbeit mit unserem außerschulischen Partner KBV und der Elternunterstützung,
zu einem für schulische Verhältnisse sehr großen, anspruchsvollen
Unterfangen.
Deshalb
muss jedes Jahr neu entschieden
werden, ob und in welcher Größe das Theaterkarussell stattfindet.
Der
Austausch über die unterschiedlichen Arbeitsweisen der Spielleiter und über
unseren „künstlerischen“
Anspruch steht an.
Eine
konzeptionelle Weiterentwicklung unserer Theaterarbeit fand im Schuljahr 05/06
statt. Die Theater-AG fand in Kooperation mit dem Kinder- und Jungendtheater der
Stadt Stuttgart dem JES statt. Schüler/innen der Oberstufe trafen sich nicht an
der Schule, sondern fuhren selbständig zum Tagblattareal und arbeiteten in den
Proberäumen des JES an ihrem neuen Stück. Verstärkt wurde die Gruppe durch 2
Schülerinnen aus Stuttgarter Regelschulen. Die Leitung lag sowohl bei Lehrern
der SfK Stuttgart (S. Bauer und G. Haag) als auch bei
Günter Kömmet vom JES. Herausgekommen ist ein höchst interessantes
Theaterstück mit dem Titel „...doch der nächste folgt sogleich“. Wir
erhofften uns davon den Beginn einer integrativen Theaterarbeit in Stuttgart.
Ergebnis
dieser guten Zusammenarbeit war, dass das JES ab September 2006 eine
Theaterwerkstatt für Menschen mit und ohne Behinderung in ihr Programm aufnahm.
Die meisten Teilnehmer
des vergangenen Schuljahres meldeten sich auch begeistert an und hatten fortan
die Möglichkeit ohne Schule und Lehrer ihre Theatergruppe zu formen. Es fanden
sich aber keine Mitspieler ohne Behinderung und nachdem sich einige Teilnehmer
auf einer freiwilligen Basis nicht zur nötigen Arbeitsdisziplin durchringen
konnten, wurde die AG im November 2006 vom JES eingestellt.
Die
Theater AG findet zukünftig wohl wieder ausschließlich an der Schule statt. An
einem Konzept praktikabler, integrativer Theaterarbeit, muss weiter gearbeitet
werden.
Dezember
2006
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